KOMPASS (KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel)
Sicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe
Hessen zählt nach wie vor zu den sichersten Bundesländern Deutschlands. Doch die gefühlte Sicherheit weicht oft von der objektiven Sicherheitslage ab. Grund dafür kann eine dunkle Unterführung, mangelnde Beleuchtung oder öffentliche Unordnung (sog. Incivilities) wie zerstörte Fensterscheiben, hinterlassener Abfall, Graffiti, öffentlicher Drogen- und Alkoholkonsum oder Betteln sein. Oftmals sind an den Orten wenige bis keine Straftaten registriert worden. Dennoch fühlen sich die Menschen an diesen Orten unsicher und meiden diese sogar. Nicht selten werden diese Orte auch als sogenannte „Angsträume“ beschrieben.
Sicherheit und ein sicheres Gefühl im eigenen Wohnumfeld sind elementare Grundbedürfnisse eines jeden Menschen. Die Sicherheitsinitiative KOMPASS bietet eine Plattform, um die Sicherheitsbedarfe in Wetzlar aufzugreifen und stetig zu verbessern. Gemeinsam mit der Polizei, den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Akteuren der Stadt Wetzlar werden die Sicherheitsbedürfnisse erhoben, analysiert und passgenaue Maßnahmen entwickelt, die zur Verbesserung der objektiven und subjektiven Sicherheitslage beitragen.
Über KOMPASS
KOMPASS steht für das KOMmunalProgrAmm SicherheitsSiegel und dient der Kriminalprävention. Dabei werden zwischen Kommune, Polizei, Bürgern und weiteren gesellschaftlichen Akteuren Sicherheitsmaßnahmen erarbeitet und gemeinsam umgesetzt.
Weitere Informationen
Sicherheitsportal Hessen
Mit dem Sicherheitsportal Hessen hat das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz alle Sicherheitsprogramme des Landes unter dem Dach von "Gemeinsam Sicher in Hessen (GSIH) " vereint.
Unter dem Motto „Sicherheit ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Es kommt auf jeden Einzelnen an“ vereint die Dachmarke GSIH die Präventionsinitiative KOMPASS, die Sicherheits- und Warn-App hessenWARN und das Sicherheitsportal Hessen mit der „Meldestelle Hessen gegen Hetze“, der „Onlinewache Polizei Hessen“ und dem landesweiten „Mängelmelder Hessen“ mit integriertem Angstraummelder. Das Sicherheitsportal Hessen bietet der hessischen Bevölkerung eine Plattform, ihre sicherheitsspezifischen Anliegen im Internet schnell und einfach zu melden.
Mängel- und Angstraummelder
Der landesweite Mängelmelder ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern, ihre kommunal-spezifischen Anliegen wie illegale Müllablagerungen, Schlaglöcher auf der Straße oder mangelnde Beleuchtung, durch eine Standortbestimmung vollautomatisch an die zuständige Kommune zu übermitteln. Rückmeldungen an die Bevölkerung können durch die Kommunen in einem Bearbeitungssystem vorgenommen werden, was sich auch auf die Darstellung im Kartensystem der meldenden Person und das Feedback an die Bevölkerung auswirkt. Das stärkt den Austausch zwischen der Bevölkerung und den hessischen Kommunen und verbessert die Arbeit einer bürgerfreundlichen und -orientierten Verwaltung.
Außerdem bietet der Mängelmelder eine Unterkategorie, über welche sogenannte Angsträume gemeldet werden können. Angsträume sind Orte im öffentlichen Raum, an denen man sich vorübergehend oder dauerhaft unsicher fühlt. Die Angstraummeldungen werden an die zuständigen Polizeidirektionen gesendet, die eine individualisierte Bewertung vornehmen und spezifische Maßnahmen kurzfristig mit der örtlich zuständigen Dienststelle und langfristig mit der Kommune angehen.
Hessen gegen Hetze
Immer mehr Menschen sind von Hass im Internet betroffen und ziehen sich lieber zurück, anstatt sich zur Wehr zu setzen. Dieser Entwicklung gilt es entgegenzuwirken um zu verdeutlichen, dass hasserfüllte und extremistische Inhalte nicht die Mehrheitsmeinung unserer Gesellschaft abbilden. Um Betroffenen sowie Zeuginnen und Zeugen eine unkomplizierte Möglichkeit zu geben, Hate Speech zu melden und Unterstützung zu erhalten, richtete die Hessische Landesregierung die staatliche Meldestelle Hessen Gegen Hetze ein.
Mit einem Meldeformular können Betroffene sowie Zeuginnen und Zeugen von Hate Speech akut gefährdende, strafbare oder extremistische Inhalte einfach melden, auch anonym. Alternativ können sie sich per E-Mail oder über eine Hotline an die Meldestelle wenden. Extremistische Aktivitäten, die nicht mit Hate Speech in Verbindung stehen, können auch gemeldet werden. Die Meldungen werden an das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen weitergeleitet , wo sie intensiv geprüft und bearbeitet werden. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Beobachtung einen Online- oder Offline-Bezug hat.
Onlinewache Polizei Hessen
Die Onlinewache der Polizei Hessen ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Strafanzeigen online zu erstatten, Hinweise zu geben sowie Lob und Beschwerden mit Bezug zur Polizei zu melden. Die online erstatteten Anzeigen werden dann direkt an die zuständigen Dienststellen bzw. Fachkommissariate weitergeleitet und dort bearbeitet.
Die Bürgerinnen und Bürger können somit zu jeder Tages- und Nachtzeit mit der Polizei in Kontakt treten, ohne dafür eine Polizeidienststelle aufsuchen zu müssen. Dies erspart Zeit und unnötige Wege zur nächsten Wache.
hessenWARN
hessenWARN ist die kostenlose App für Ihre Sicherheit. Mit hessenWARN können Sie sich in und vor Gefahrensituationen und Katastrophen warnen lassen. Das System bietet Gefahren- und Katastrophenwarnungen verschiedener Behörden und Landkreise aus einer Hand. Darüber hinaus gibt es eine große Auswahl an Funktionen, die Sie sich nach Ihren Bedürfnissen und Interessen individuell zusammenstellen können.
Sicherheit in Wetzlar
Neben den Kompass-Initiativen arbeitet das Ordnungsamt der Stadt Wetzlar an konkreten weiteren Aufgaben:
Weiterentwicklung Sicherheitspartnerschaft Bahnhof
Unter Vorsitz des Einsatzleiters der Wetzlarer Stadtpolizei, Erik Hofmann, besteht in Wetzlar seit vielen Jahren eine gut funktionierende „Ordnungspartnerschaft Bahnhof“ zwischen der DB InfraGO, der DB Sicherheit und der Stadt Wetzlar. In einem regelmäßigen Austausch sind auch die Bundespolizei, die Polizeistation Wetzlar sowie unsere Streetworker eingebunden.
Gemeinsames Ziel ist eine homogene Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Zuständigkeiten von Einsatzkräften an diesem Ort zu schaffen. Der Bahnhofsbereich ist nahezu in allen Kommunen eine sicherheitsrelevante Örtlichkeit (Angstraum), der wir gemeinsam wirksam begegnen können.
Der Lenkungskreis trifft sich halbjährlich und bespricht die sicherheitstechnischen Herausforderungen sowie notwendige Maßnahmen.
Schutzmann vor Ort (SvO)
Der persönliche Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern durch tägliche Begegnungen auf der Straße, die Vernetzung zu örtlichen Vereinen, der Stadtverwaltung, zu den Geschäftsleuten sowie weiteren Institutionen ist es, der die Arbeit der Schutzleute vor Ort ausmacht. Sie sind Kontaktpersonen, die sich um Ihre Anliegen kümmern.
Der SvO gibt Bürgersprechstunden im „Haus der Prävention“ (Ludwig-Erk-Platz 5, 35578 Wetzlar), die seitens der Bevölkerung gut angenommen werden. Herr Rafael Ludwig, der die Funktion wahrnimmt, ist zudem in mannigfaltige Veranstaltungen eingebunden und erhält von allen Seiten positives Feedback.
Verbesserung der Aufenthaltsqualität am Bahnhof
Unter Federführung der Leiterin der Stabsstelle Vielfalt und sozialer Zusammenhalt, Anna Kaczmarek-Kolb, wird sich gemeinsam mit dem Ordnungsamt und anderen Akteuren in der Stadt darum bemüht, die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
Als erste Maßnahme wurde neben den zahlreichen Kontrollen von Stadt- und Landespolizei ein Gastro-Angebot geschaffen, um vor Ort die soziale Kontrolle zu erhöhen. Ergänzend wurde eine Streetwork beauftragt, die durch die Suchthilfe Wetzlar und den Caritasverband Wetzlar Lahn-Dill-Eder gestellt wird, um eine nachhaltige Entwicklung zu begleiten.
Optimierung der Beleuchtung / Verminderung der Lichtverschmutzung
Im Rahmen einer repräsentativen AKTIO-Befragung sowie daran anschließenden Ortsbegehungen wurden Angsträume in Wetzlar ermittelt. Unter Federführung des Tiefbauamtes der Stadt Wetzlar werden insbesondere in diesen Angsträumen sukzessive die Beleuchtungskörper auf effektivere und damit umweltschonende LED-Beleuchtung umgestellt. Auch wird in weiteren Stadtentwicklungsprozessen (zum Beispiel Ideenwettbewerb Lahnuferweg/Eduard-Kaiser-Straße bzw. Freizeitbad an der Lahn) wird das Thema Beleuchtung mit eingebracht. So werden durch Änderung der Beleuchtungssituation, aber auch durch Öffnung der Straße, Wege und Plätze zur Lahn hin, Angsträume abgebaut und die Aufenthaltsqualität verbessert.
In Gesprächen mit Gewerbetreibenden wird die Reduzierung der Beleuchtung thematisiert. Es werden Kompromisse zwischen einer für die Sicherheitsbedürfnisse ausreichenden Beleuchtung sowie dem Naturschutzrecht forciert.
Sicheres Wetzlar
Unter Leitung von Boris Falkenberg tauschen sich die Polizeistation Wetzlar, die Stadt Wetzlar und die Streetwork 1x pro Quartal aus, um auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren und auch proaktiv das Thema Sicherheit im Blick zu haben.
AK Substitution
Substitutionsambulanzen spielen eine zentrale Rolle für das gesellschaftliche Zusammenleben – sowohl aus medizinischer als auch aus sozialer Perspektive. Sie bieten opioidabhängigen Menschen eine medizinisch kontrollierte Behandlung mit Ersatzstoffen. Die Ziele sind:
- Gesundheitliche Stabilisierung: Reduktion von Risiken wie Überdosierungen, Infektionen (zum Beispiel HIV, Hepatitis) und körperlichem Verfall.
- Soziale Integration: Viele Patientinnen und Patienten sind langjährig abhängig, arbeitslos und sozial isoliert. Die Behandlung kann helfen, wieder Zugang zu Wohnraum, Arbeit und sozialen Beziehungen zu finden.
- Kriminalitätsprävention: Durch die kontrollierte Medikamentenabgabe sinkt die Beschaffungskriminalität.
- Langfristige Abstinenz: Auch wenn nicht alle Patientinnen und Patienten abstinent werden, ist dies ein mögliches Ziel der Therapie.
In Hessen werden etwa 1.450 Personen in Substitutionsambulanzen behandelt. Diese Einrichtungen sind medico-psycho-soziale Zentren, die neben der medizinischen Versorgung auch psychosoziale Betreuung bieten – ein entscheidender Faktor für nachhaltige Stabilisierung.
Substitutionsambulanzen sind ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Suchthilfe. Sie helfen nicht nur den Betroffenen, sondern tragen auch zur Entlastung der Gesellschaft bei. Der Umgang mit sichtbarem Drogenkonsum erfordert Empathie, Struktur und Zusammenarbeit – nicht Ausgrenzung. Ein offener Dialog und die Einbindung aller relevanten Akteure sind entscheidend für eine lebenswerte Stadt für alle.
Daher tauschen sich unter Leitung von Boris Falkenberg regelmäßig die Polizeidirektion Lahn-Dill, die Polizeistation Wetzlar, die Stadtpolizei, die Bewährungs- und Gerichtshilfe, die Suchthilfe Wetzlar, die Caritas, die Substitutionsärzte, die Abteilungen Gesundheit und Sozialpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes des Lahn-Dill-Kreises, die Abteilung Frühe Hilfen/Kinderschutz des Wetzlarer Jugendamtes und die Stabsstelle Vielfalt und sozialer Zusammenhalt der Stadt Wetzlar zu den Angeboten aus und entwickeln Maßnahmen, um Störungen zu reduzieren.
AK Treffpunkt Jugendliche
Ebenfalls unter Leitung von Boris Falkenberg gibt es einen regelmäßigen Expertendialog mit der Abteilung Kinder- und Jugendbildung des Wetzlarer Jugendamtes, der Stadtpolizei, der Polizeistation Wetzlar, dem Stadtbetriebsamt, der Stabsstelle Vielfalt und sozialer Zusammenhalt, dem Quartiersmanagement Niedergirmes, Dalheim und Westend, der Suchthilfe und der Caritas.
Ziel des Dialoges ist es, die Auswirkungen des Verhaltens jugendlicher Gruppen zu bewerten und Angebot zu entwickeln, die zum einen den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht werden und zum anderen den sozialen Zusammenhalt zu fördern.


