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29.04.2021 - Das Historische Archiv der Stadt Wetzlar im Alten Rathaus verfügt über einen umfangreichen Bestand an historischen Materialien, die bisher von der Öffentlichkeit allerdings nur analog, das heißt durch einen Besuch des Archivs, gefunden werden können.
Digitalisierung Historisches Archiv.
Archivleiter Dr. Christoph Franke (rechts) und Oberbürgermeister Manfred Wagner zeigen beispielhaft eine historische Urkunde, die künftig auch digital genutzt werden kann. © Stadt Wetzlar

Das soll sich künftig ändern, wie Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) und der Leiter des Archivs, Christoph Franke, am Freitag (23. April) ankündigten. Wichtige Archivbestände von regionaler und nationaler Bedeutung sollen auch digital zugänglich gemacht werden. Die Stadt Wetzlar hat dazu Fördermittel im Rahmen des Programms „WissensWandel“ des Kulturstaatsministeriums beantragt und eine Bewilligung über 61.000 Euro erhalten.

Im Zentrum des Vorhabens steht die Digitalisierung der Findbücher des Archivs. Diese Findbücher können bisher nur im Lesesaal des Stadtarchivs eingesehen werden. Das ist zum einen wegen der derzeitigen pandemiebedingten Situation ungünstig. Darüber hinaus werden weltweite Nachforschungen, ob es zu bestimmten Fragestellungen Unterlagen im Wetzlarer Stadtarchiv gibt, erst durch eine Digitalisierung und durch einen Transferierung der Findbücher in die vom Stadtarchiv Wetzlar genutzte Datenbank „Faust“, die im Zuge dieses Projektes dauerhaft online gestellt werden soll, ermöglicht. Die Öffnung des Stadtarchivs für schon gängige Recherchestrategien wird durch das Förderprogramm möglich gemacht, das Stadtarchiv wird nach Abschluss der Arbeiten als wesentlicher Teil der hessischen Archivlandschaft für regionale und überregionale Forschungsprojekte sichtbar. Der Ergebnisse sollen auch in überregionale Datenbanken eingespeist werden.

Um diesen wichtigen Schritt der Digitalisierung zu ermöglichen, müssen aber zunächst einige Bestände inhaltlich weiter erschlossen und vor allem alle Bestände signiert werden. Bisher sind im Stadtarchiv keine Signaturen vergeben worden, die eine eindeutige Identifizierung der einzelnen Archivalien ermöglichen. Die Signaturvergabe gehört zu den wesentlichen Aufgaben des Projektes, denn ohne eine eindeutige Signatur ist weder eine Eingabe der Daten noch eine ergebnisorientierte Recherche in einer Datenbank möglich.

Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek
Ein weiterer Meilenstein in diesem Projekt ist die Katalogisierung der Bibliothek des Archivs in ebendieser Datenbank. Ein besonders Kennzeichen der vom Stadtarchiv genutzten Datenbank ist es, dass die Archiv- und Bibliotheksbestände in einer Datenbank verzeichnet werden, so dass eine Recherche mittels eines Stichwortes Ergebnisse aus dem Archivbestand und aus der Bibliothek anzeigen wird. Zur beschleunigten Katalogisierung der Bibliothek ist die Stelle der Bibliothekarin temporär aufgestockt worden, so dass die Arbeiten rascher durchgeführt werden können. In Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek wird darüber nachgedacht, die Bibliothek des Stadtarchivs auch in den Katalog der Bibliothek der Stadtbibliothek zu integrieren, um so an einem zentralen Bibliothekskatalog der in Wetzlar vorhandenen Bücher mitzuwirken. Hierfür sind jedoch noch technische Fragen zu klären.

Das wesentliche Ziel des Projektes ist es, dass der interessierte Nutzer über das Internet Zugriff auf die in Wetzlar vorhandenen Archivalien und Bibliotheksbestände bekommt und vom heimischen Schreibtisch aus entscheiden kann, welche Unterlagen für seine Forschungen interessant sind. Diese Unterlagen können dann online für die Nutzung im Lesesaal in der Hauser Gasse bestellt werden. Mit ersten Ergebnissen des Projektes ist im Spätsommer des Jahres zu rechnen.

Wetzlarer Neue Zeitung wird bis 1945 digitalisiert
Ein für viele Nutzer des Archivs wichtiges Teilprojekt ist die Digitalisierung der Ausgaben der heimischen „Wetzlarer Neuen Zeitung“ bis zum Jahrgang 1945. Diese gehören zu den sehr häufig genutzten Quellen und sind derzeit auf Mikrofilm verfilmt. Auch wenn der Lesesaal geschlossen ist, kann somit künftig die weltweite Nutzung dieser wichtigen Quelle gewährleistet werden.

Mit der Digitalisierung der Bestände wird es zudem künftig möglich sein, das Stadtarchiv in regionale und nationale Portale einzubinden, um effiziente Online-Recherchen zu ermöglichen. Auch für die Archivmitarbeiter bringt die Digitalisierung mehrere Vorteile. So verbessern sich die Treffgenauigkeit und der Gesamtüberblick bei Recherchen. Auch bisher „weit entlegene Archivbestände“ können bei Forschungen eingebunden werden und Nutzer können bei geringerem Arbeitsaufwand besser beraten werden.

„Wir begrüßen die Förderung des Bundes, die unser Historisches Archiv aufwertet und erhoffen uns eine Belebung der Nutzung der hier lagernden Unterlagen, denn das Archiv erfüllt eine wichtige Funktion als ‚Gedächtnis‘ unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) bei der Vorstellung des Projektes.