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Das Bergwerk ist insolvent. Mehrere Menschen sind tot. Akino und ihr Sohn Tadeus regieren das Bergreich. Gleichzeitig treibt ein skurriles Gangsterpärchen von der Gießener Gummiinsel sein Unwesen auf der Grube Fortuna und unterhält dubiose Geschäftsbeziehungen zum Bergrat. Schon bald gibt es weitere Opfer... Was ist hier eigentlich los auf Grube Fortuna in Solms-Oberbiel?

Keine Sorge! Das Besucherbergwerk hat natürlich weiterhin ganz normal geöffnet. Was hier klingt wie eine wilde Mischung aus einer Episode aus „Game of Thrones“ und einem Gangster-Roadmovie aus dem Ruhrpott ist in Wahrheit die Einstiegsgeschichte in eines von drei Escape Games, die man auf – und in (!) der Grube Fortuna spielen kann. Die WetzlarTipps haben zwei von drei der spannenden Spiele ausprobiert.

Escape Game „Fortuna Han“ auf der 150-Meter-Sohle

Fahrmarken
Fahrmarken dienten dazu, dass man immer wusste, wer unten im Stollen war. Doch was sollen sie uns heute sagen © Sabine Glinke

Ein Escape Game (deutsch etwa: Entkommensspiel/Fluchtspiel) ist ein Spiel, bei dem sich die Teilnehmer in einem Raum befinden und in diesem spannende Rätsel lösen. Erst mit Lösen des Rätsels öffnet sich die Tür nach draußen wieder. Mit der beschriebenen Szenerie befinden wir uns mitten in einem solchen Spiel, mitten in „Fortuna Han“, dem jüngsten der drei Spielangebote. Es ist seit Oktober 2025 buchbar und führt die Teilnehmer und somit uns auf die 150-Meter-Sohle des Bergwerks. Allein dadurch hat das Game Thrill: Mit dem historischen Fahrstuhl (ruckelt und wackelt altersgemäß authentisch) geht es in den Stollen hinab. Doch zunächst gibt es dafür die entsprechende Ausstattung: Eine Fahrmarke, Schutzhelm mit Kopflampe und auf Wunsch einen Schutzüberzug für die Klamotten. Schutzhelme sind wegen der teils geringen Deckenhöhe Vorschrift, es soll sich schließlich niemand den Kopf stoßen. Die Kopflampe ist ebenfalls unabdingbar, denn in einigen Ecken des Bergwerks ist es stockdunkel. Der rote, feuchte Staub, den man aus der Grube mitnimmt, sitzt auch zuweilen fest im Gewebe von Kleidung und Schuhen – den angebotenen Schutzkittel sollte man in jedem Fall annehmen. Oder sich eben direkt mit alten Klamotten kleiden. Die Fahrmarken dienten früher übrigens der Kontrolle, wer derzeit alles im Bergwerk ist – heute sind sie für die Gruppen nur noch ein nettes Accessoire.

Kaum auf der 150-Meter-Sohle angekommen, heißt es erst einmal, überhaupt den richtigen Weg einzuschlagen. Eine Karte muss also her. „Achtet auf alles, was die Farbe Orange hat“, lautet der Hinweis von Spielleiterin Natalie Zinke. Und so sind es orangene Boxen und orangene Röhren, die es bei den Escape Games auf Grube Fortuna zu finden gilt – aber manchmal auch geheime und versteckte Briefkästen.

Geschichte voller Irrungen, Wirrungen, Korruption und Intrigen

Natalie Zinke, beim Verein Geowelt Fortuna nicht nur als Bergwerksführerin aktiv, sondern auch für das Gästemanagement verantwortlich, hat die Spiele zusammen mit ihrer ehemaligen Kollegin Laura Haimerl entwickelt und eine spannende Geschichte voller Intrigen, Wirrungen, Korruption und Herzschmerz geschrieben. Doch tatsächlich sind einige der Hintergründe wirklich wahr, und auch manche Personen gab und gibt es in der Wirklichkeit. Natürlich tragen sie im Spiel andere Namen – die Anonymität und die Persönlichkeitsrechte sollen ja gewahrt werden. Zinke und Hämerl haben in die Spiele so manche skurrile Geschichte, die sich auf Grube Fortuna ereignet hat und die bis in die Gegenwart hinein bekannt ist, eingestrickt. Manch schräger Charakter, der die Grube seinerzeit begleitete, kommt ebenfalls vor. Dazu dienen Gegenstände, die beim Aufräumen gefunden wurden, als Requisite – vom alten Kalender bis zur hölzernen Zigarrenkiste.

Jacke und festes Schuhwerk erforderlich

Gespielt wird in einem Bereich des Bergwerks, den man sonst als Besucher nicht zu sehen bekommt. Hier unten herrschen kontinuierlich 13 Grad Celsius und es ist an manchen Stellen durchaus etwas feucht – eine dicke Jacke und festes Schuhwerk ist unabdingbar. Dafür ist die Luft herrlich frisch. Und dann geht es die alten Gleise entlang. Spannend wird das Spiel vor allem durch seinen Lost-Place-Charakter: Was ist wohl hinter dieser Tür? Was verbirgt sich in jener Klappe? Und was sind das das für alte, rostige Regale – die sollten wir uns doch vielleicht einmal genauer anschauen…

Team Escape Game
Gemeinsam mit ihren Freundinnen ist unsere WetzlarTipps-Autorin Sabine Glinke (Mitte) mit Helm und Kopflampe bestens gerüstet © Sabine Glinke
Jedes Rätsel muss gelöst werden
Jedes noch so kleine Detail kann beim Rätseln unter Tage wichtig sein © Sabine Glinke

Immer wieder begegnen einem Zahlenschlösser und knifflige Rätsel, die einen zur korrekten Kombination führen. Kombinationsgabe, gutes Erinnerungsvermögen und manches Mal auch eine gute Allgemeinbildung sind von Vorteil. Und: Richtiges und genaues Lesen der Hinweise und Spielmaterialien ist wichtig, denn in den Spielen kommen viele verschiedene Charaktere vor, die man sich erst einmal behalten muss. Und genau hinschauen muss man bei Escape Games sowieso immer. Zu schnell hat man ein kleines, aber wichtiges Detail übersehen. Die Zeit im Bergwerk vergeht wie im Fluge und dass es bisschen kalt ist, merkt niemand, so erhitzt sind die Gemüter bei der spannenden Rätselstory.

Alle drei Spiele unabhängig voneinander spielbar

„Fortuna Han“ ist das dritte Spiel der Trilogie. Es schließt die Geschichte um den Bergfürsten und sein Gefolge ab. Doch keine Sorge: Alle drei Spiele bauen in der Geschichte zwar aufeinander auf, und auch die Charaktere tauchen erneut auf (sofern sie nicht im Laufe der Story bereits ermordet wurden), die Games sind aber unabhängig voneinander und ohne Vorwissen spielbar.

„Fortuna Yama“ auf dem Zechengelände und im Stollen

Wo müssen wir hin? Keine Ahnung, was uns hinter der Kurve alles erwartet
Wo müssen wir hin? Keine Ahnung, was uns hinter der Kurve alles erwartet © Sabine Glinke

„Fortuna Yama“ verbindet schließlich das Erlebnis im Stollen mit einer kleinen Runde auf dem Zechengelände. Zunächst geht es rauf zum alten Maschinenhaus – Teilnehmer sollten entsprechend fit zu Fuß unterwegs sein, denn der Anstieg des sogenannten Bremsberges hat es in sich. Festes Schuhwerk ist ebenfalls erforderlich. Oben angekommen, heißt es erst einmal, Akinos geheimen Briefkasten zu finden, der einen geheimnisvollen Schlüssel enthält. Im Wald oberhalb werden wir beim „Ziegenstall“ schließlich erneut fündig – sind das blutige Messer und die hübsche Haarnadel am Ende Tatwaffen? Von dort geht es wieder hinunter ins Zechenhaus. Die historischen Fahrmarken enthalten vielleicht wichtige Hinweise. Wieder ausgestattet mit Helm und Lampe geht es auch bei diesem Spiel in den Stollen – allerdings auf der Stollensohle, nicht auf der 150-Meter-Sohle. Und wieder sind es zahlreichen orangene Kisten, Zahlenschlösser, mysteriöse Requisiten und viele spannende Rätselaufgaben, die Licht in die dunklen Geheimnisse der Grube Fortuna bringen. Zum Schluss erfährt man von einem alten Kassenrekorder, was hier wirklich passiert ist.

„Fortuna Mori“ auf dem Bergwerkstrail

Welches Geheimnis verbirgt sich wohl im alten Maschinenhaus?
Welches Geheimnis verbirgt sich wohl im alten Maschinenhaus? © Sabine Glinke

Das dritte Spiel, „Fortuna Mori“ findet ausschließlich im Außenbereich der Grube Fortuna statt. Es führt über den Bergwerkstrail. Auf dem 3,8 Kilometer langen Wanderweg erleben die Teilnehmer eine Geschichte rund um Mord, Intrigen und Liebe – spannende Spiele und Rätsel inklusive.

Mit den Spielen ist Natalie Zinke und Laura Haimerl eine Mischung aus einem klassischem Escape-Game, Geocaching und Krimispiel gelungen. Ein bisschen Lost-Place-Stimmung und ein wenig Bergbau- und Heimatgeschichte gibt es inklusive. Vor drei Jahren startete die Grube Fortuna mit dem Angebot. Mit „Fortuna Yama“ startete die Trilogie. „Die Idee entstand in der Winterpause 2022/2023“, berichtet Natalie Zinke, „wie es dazu kam? Das kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Meine damalige Kollegin Laura und ich sind einfach große Fans von mysteriösen Geschichten und große Serienjunkies“. Das Faible der Beiden für Serien wie „Twin Peaks“ oder „Dexter“ merkt man den Spielen und Geschichten an. Doch auch wahre Begebenheiten haben die Beiden in den Storys eingeflochten: „Wir haben so viele Geschichten über die Menschen, die es mal auf der Fortuna gab, gehört, was uns dazu angeregt hat, einige der wahren Geschehnisse mit der echten Historie zu verbinden und daraus ein Krimispiel zu stricken“, erklärt die Bergwerksführerin.

In der Saison 2023 startete „Fortuna Yama“, 2024 kam die Outdoor-Geschichte „Fortuna Mori“ dazu und in 2025, zum Abschied von Laura Haimerl im Bergwerk, entstand „Fortuna Han“.

Buchbar über die Webseite

Alle drei Spiele sind für Gruppen individuell über die Webseite der Grube Fortuna buchbar. Während die Outdoor-Geschichte „Fortuna Mori“ ab 12 Jahren gespielt werden kann, sind „Fortuna Yama“ und „Fortuna Han“ erst ab 16 Jahren spielbar. Nicht irritieren lassen, dass auf der Internetseite „ausverkauft“ steht – es handelt sich um einen Anzeigefehler. Einfach den Button „Gutschein buchen“ anklicken und die entsprechende Anzahl auswählen. Alle Escape Games werden von einer professionellen Spielleitung begleitet, die Zutritt zu den nötigen Bereichen verschafft und auch Tipps geben kann, falls es mal hängt.

Kontakt & Informationen:

Besucherbergwerk Grube Fortuna
Grube Fortuna 1
35606 Solms-Oberbiel

Telefon: 06443-82460
E-Mail: infogrube-fortunade
Internet: www.grube-fortuna.de