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„Ich will ne Schwimmbad-Pommes, fettig, rot und weiß. Und wenn es geht ein Sunkist und ein Nogger-Eis“. So singt es der Wetzlarer Entertainer Frank Mignon im Duett mit seiner Bühnenpartnerin Anita Vidovic im Lied Schwimmbad-Pommes. Und wer hat an die kartoffelige, rot-weiß verzierte Köstlichkeit und die anderen genannten Leckereien wohl keine positive Kindheits- und Jugenderinnerung? Das Lied aus dem beliebten Musikkabarett-Programm „Frank und die netten Nachbarn“ jedenfalls hätte passender kaum sein können, als das neu gestaltete Wetzlarer Domblickbad dieser Tage endlich seine Pforten für die Besucher wieder öffnete – und das passenderweise bei brütender Hitze.
Das Domblickbad von oben
Das Domblickbad von oben © Sabine Glinke

Zwei Sommer lang hatten die Wetzlarer auf das Freibad am Karl-Kellner-Ring verzichten müssen. Fast hätte es schon im Juli 2025 geklappt – doch Probleme an einigen Stellen verzögerten die Eröffnung um einen weiteren Sommer. Nun ist es endlich fertig – und trägt den neuen, leicht modifizierten Namen „Naturfreibad Domblick“.

Ein modernes Naturerlebnisbad ersetzt nun das in die Jahre gekommene und sanierungsbedürftige Domblickbad von 1954, das nach der Badesaison 2022 seine Pforten schloss. Das Bad liegt direkt an der Lahn und am Lahnradweg R7 – und eingebettet in die neu angelegte und zusammen mit dem Bad eröffnete Pisek-Anlage, einer der tschechischen Partnerstadt gewidmeten Grünanlage, die das Freibad umschließt und wunderbar mit der Lahn und dem R7 verbindet. Dieser wurde ebenfalls erst kürzlich fertiggestellt.

Naturnaher Flachwasserbereich, Schwimmerbecken, Sprungturm

Blick auf den Schwimmerbereich des neuen Domblickbades
Blick auf den Schwimmerbereich des neuen Domblickbades © Sabine Glinke
Der Sprung vom Drei-Meter-Turm endet in einem separaten Becken.
Der Sprung vom Drei-Meter-Turm endet in einem separaten Becken. © Sabine Glinke

Das neue Bad verfügt über eine Wasserfläche von 1600 Quadratmetern mit vier 25-Meter-Bahnen, einem Nichtschwimmerbereich und einem separaten Sprungbecken mit Drei-Meter-Turm. Bewusst wurde der Schwimmerbereich verkleinert und der Flachwasserbereich vergrößert. Planschbecken, Wasserrutschen und ein Wasserspielplatz laden Kinder unterschiedlichen Alters zum Toben und Planschen ein.

Einmal Rutschen gefällig?
Einmal Rutschen gefällig? © Sabine Glinke

Zum Ausruhen hat man die Wahl zwischen dem Sandstrand, der einen barrierefreien Zugang zum Flachwasserbereich bietet, und der großen Liegewiese. Spielplatz, Beachvolleyballfeld sowie Tischtennis ergänzen das Angebot. Allerdings würde man sich ein paar mehr Bäume auf dem Areal wünschen, sind doch die Schattenplätze eher rar. Im modernen Funktionsgebäude stehen Umkleidekabinen und Toiletten zur Verfügung. Gestaltet ist das alles mit naturnahen Formen – der barrierefreie Flachwasserbereich ähnelt eher einem Badesee als einem Schwimmbad, nahezu überall in der Anlage kommt Holz als natürliches Baumaterial vor.


Sonnendeck mit Domblick

Idyllisch ist der Blick auf die Lahn, da das Bad dorthin vorverlegt wurde. Statt wie einst zwischen Fluss und Bad verläuft der Lahnweg nun zwischen Freibadgelände und angrenzender Bebauung. Der im Namen versprochene Domblick wird ebenfalls geboten, denn auf dem neuen lahnseitig gelegenen Sonnendeck, gibt es auch einen Aussichtspunkt. Von hier blickt man aufs Wehr, die Colchesteranlage und den majestätisch über all dem thronenden Dom. Fast fühlt man sich hier in der Lahn, so nah ist man ihr und der Natur.
Wie am See - der Flachwasserbereich ist von einem Sandstrand umsäumt.
Wie am See - der Flachwasserbereich ist von einem Sandstrand umsäumt. © Sabine Glinke
Ein riesengroßes Gemälde des Künstlers Kai Staudacher.
Ein riesengroßes Gemälde des Künstlers Kai Staudacher ziert die bisher graue Betonwand. © Sabine Glinke
Im Kontrast dazu: Die die der Stadt zugewandte Seite des Freibades; hier blickt man auf eine Betonwüste, denn es grenzen neben einem Hotel auch gleich zwei Parkhäuser an. Doch auch hier haben die Verantwortlichen Lösungen gefunden: Ein großes Gemälde des Künstlers Kai Staudacher, das die Freibadthematik aufgreift, verschönert die einst graue Betonwand.

Null-Energie-Bad

„So ein Freibad ist für die Menschen ein kleiner Sommer“, so Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner bei der Eröffnung. Für Manche ersetzt es gar den Sommerurlaub. Wir alle haben doch unsere Erinnerungen an lange Freibadsommer in unserer Kindheit. So ein Freibad bringe Menschen und deren Geschichten zusammen, sagte Wagner weiter. Stolz ist man in der Stadt Wetzlar darauf, dass hier nicht nur „ein inklusiver, pulsierender Raum für alle Bevölkerungsschichten“ entstanden ist, der Sport, Gesundheitsaspekte, Erholung und Naturerlebnis miteinander verbindet, sondern auch ein nachhaltiges und effizientes „Null-Energie-Bad“. Die Wasseraufbereitung im Naturbad Domblick erfolgt komplett mit biologischen Naturfiltern.
So sieht der hydrobotanische Filter des Naturbads aus.
So sieht der hydrobotanische Filter des Naturbads aus. © Sabine Glinke
Auf chemische Zusätze wie Chlor wird komplett verzichtet. Dabei setzt die Stadt Wetzlar auf ein zweiteiliges Filtersystem: Einen hydrobotanischen Filter und einen Substratfilter. Beide Filter arbeiten unabhängig voneinander, um eine stabile Wasserqualität zu bieten. Hierbei gilt die sogenannte FLL-Norm, ein zentrales, technisches Regelwerk für Planung, Bau und Betrieb von Schwimm- und Badeteichen mit biologischer Wasseraufbereitung. Der für den Betrieb erforderliche Strom für das Bad wird komplett über die hauseigene Photovoltaikanlage erzeugt. Einzig der Strom der angrenzenden Gastronomie, die in Kürze eröffnen wird, wird über eine Wärmepumpe erzeugt. Denn: Der Gastrokomplex ist künftig auch für Nicht-Schwimmbadbesucher zugänglich und wird ganzjährig betrieben. Ein Höhepunkt wird hier sicherlich die direkt an der Lahn gelegene Außenterrasse. Doch auch die Schwimmbad-Pommes rot-weiß können sich sehen lassen – am Eröffnungstag gab es eine erste Kostprobe.

Bürgerbeteiligungsverfahren vorausgegangen

Die ersten Schwimmenden ziehen ihre Bahnen
Die ersten Schwimmenden ziehen ihre Bahnen © Sabine Glinke
Dem Umbau des Bades war ein Bürgerbeteiligungsprozess mit dem Titel „Freibad(en) in Wetzlar“ vorausgegangen, um möglichst viele Bürgerinteressen bei der Neugestaltung zu berücksichtigen. Dabei hatten sich folgende Wünsche herauskristallisiert: Das Gelände sollte ganzjährig begehbar sein, das neue Bad soll ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Der Betrieb sollte unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten erfolgen. Es sollen möglichst viele Nutzergruppen angesprochen werden und die Gestaltung sollte naturnah sein. Schaut man sich jetzt im neuen Naturbad einmal um, dann wird ganz schnell klar: Absolut gelungen, bürgernah und, wie Oberbürgermeister Wagner betonte: „Ein Schwimmbad für uns alle“.

Öffnungszeiten & Eintrittspreise

Der Naturbad Domblick ist in der Sommersaison von Montag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Kassenschluss ist um 18 Uhr. Der Eintritt kostet 4 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Kinder und Jugendliche sowie andere Ermäßigungsberechtigte. Schüler erhalten in den hessischen Sommerferien vom 29. Juni bis 7. August 2026 freien Eintritt. WetzlarCard-Inhaber erhalten ebenfalls Rabatt – Erwachsene zahlen 2,50 Euro, Kinder 1,50 Euro. Über eine Geldwertkarte zum Aufladen gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, Rabatte bis zu 40 % zu bekommen.

Adresse: Naturbad Domblick, Karl-Kellner-Ring 32a.